Besuch der Aachener Baumesse

Vor etwas mehr als einem Jahr sind wir in einer breiten Phalanx zu ersten Mal zur Aachener Baumesse gelaufen- Stadtbibliothek- Krefelder Strasse- Albert-Vahle-Halle. Damals auf Einladung des Aachener Unternehmernetzwerkes „empfehlenswert“, am 19.5.2017 kommen wir nun auf ganz spezielle Einladung der ABIT GmbH. Der Chef der Baumesse ist Daniel Hornemann.

Kopf und Herz für geflüchtete Menschen hat er – er kennt aber auch die Sorgen und Nachwuchsnöte der bei ihm Jahr für Jahr ausstellenden Handwerksbetriebe und Baufirmen ganz genau, ist gründlich vernetzt mit allen Ebenen und sieht die Heranführung an den Arbeitsmarkt als gesellschaftliche Aufgabe, die nur mit vereinten Kräften -auch schon mal unkonventionell- gestemmt werden kann. Die Innung der Steinmetze hat beispielsweise trotz großen Bedarfs keinen einzigen Auszubildenden in diesem Jahr gefunden! Bewerber sollten handwerkliches Geschick mitbringen , eher fein- denn grobmotorisch veranlagt sein, eine kreative Ader haben und körperlich belastbar sein. Da kenne ich einige…

Und da wir beide Mitglied im Unternehmernetzwerk sind bekommt Daniel wöchentlich brandaktuelle Nachrichten über die Möglichkeiten und guten Beispiele aus unserem Netz, die geflüchtete Menschen haben, wenn sie Arbeit oder Ausbildung suchen. Da wollte er auf der Baumesse Betriebsinhaber und Arbeitssuchende, geflüchtet oder nicht, direkt zusammenbringen, eine Superidee. Auch Hans Bayartz vom Sozialwerk Aachener Christen hat schon im Unternehmernetzwerk seine Schützlinge vorgestellt, gemeinsam suchen wir die verschiedensten Wege, die Abgehängten, schwer Auffindbaren oder für den Arbeitsmarkt (noch) schwer Verdaulichen andocken zu lassen – wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, wenn wir das im Sinne des sozialen Friedens, der uns allen nützt, doch endlich mal alle einsehen würden, hier im reichen Deutschland.

Und so treffen wir uns in großer Zahl in gewohnter Manier wieder an der Stadtbibliothek, viele sind´s, nur die Themen haben gewechselt. Überschattet wird alles von den Bescheiden, negativ oder positiv, die Sorge um die Situation im Heimatland, die Familien, die nicht nachgeholt werden können, die schweren Kämpfe, die die Länder erschüttern, und die Diskrepanz zur Darstellung der Bundesregierung, die trotz Überfällen auf Militärbasen und internationale NGOs und nicht kontrollierbare Kampfhandlungen Afghanistan als ausreichend sicher darstellen möchte. Pacta sunt servanda – das Rückführungsabkommen ist abgeschlossen, jetzt müssen die Ausländerbehörden eben liefern. Aktuelle Anerkennungsquote nahezu 50 %. 70 % der Abgelehnten klagen, um die tödliche Gefahr der Rückkehr abzuwenden. Also fast alle bleiben hier in den nächsten Jahren. Aber haben täglich panische Angst vor Abschiebung. Wie soll man da lernen, arbeiten, planen und sich integrieren in unsere bröckelnde Willkommenskultur?

Nach munterem Fußmarsch kommen wir an in der Albert-Vahle-Halle, direkt hinter der Baubar die schwarzen Tafeln, wo die tabellarischen Lebensläufe angeheftet werden können. An meinem mitgebrachten Laptop zeige ich die öffentlichen Internetportale der Bundesagentur, wertvolle und extrem nützliche Tools, die unter unseren Freunden, auch den anwesenden Syrern und Irakern mit Anerkennung übrigens, noch gar nicht bekannt sind. Berufe-TV ist zum Beispiel eine Zusammenstellung von 200 dokumentarischen Videoclips, in denen in einfacher Sprache die Berufe aus allen Arbeitsbereichen dargestellt werden. Ideal zur ergänzenden Einübung der deutschen Sprache übrigens, und richtig spannend, vor allem die technischen Berufe und auch Berufe vom Bau faszinieren, die Jungs könnten stundenlang gucken, wie Deutschland baut und konstruiert, produziert und verkauft, pinselt und schreinert, pflegt und kreiert. Das kurzweilige Spiel auf www.entdecker.biz-medien.de hilft bei der Entscheidungsfindung, welcher Beruf es denn sein könnte. Das alles soll die unzweifelhaft kompetente Beratung im Jobcenter nicht ersetzen, nur ein kleines bisschen die Augen öffnen- da wo gerade noch alles so finster aussah.

 

Bei unserem Besuch am Freitag hatte der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur mehrere Dutzend Stellenausschreibungen in sauberer Reihe an die Wand gepinnt, allesamt richten sie sich an ungelernte Kräfte, unüberwindbare Anforderungen an das Sprachniveau kann ich auch nicht feststellen. Schade dass die Ausdrucke alle anonymisiert sind, dass nur die Referenznummer als Abreißzettel dabei steht, die Nummer, die erst nach profunder Kenntnis der Funktionsweise der Jobbörse als Schlüssel zu den Firmenausschreibungen genutzt werden kann. Haben Sie das schon mal versucht, lieber Leser? Kommen Sie doch mit der Referenznummer am Montag in die Roermonder Straße, rufen uns die Herren der Bundesagentur vom Stehtisch aus zu.. Da zeigen Sie die Nummer vor und Ihre Berater drucken die ganze Seite mit Firmenanschrift aus. Und dann? Ja dann geben wir Ihnen den Ausdruck. Den Rest müssen sie selber machen. Da staunen auch die Akademiker unter uns.

Also erklären wir Ehrenamtler den Leuten, wie sie die Referenznummer selber zuordnen können. Und sparen den Jungs den Gang zum Jobcenter, auch um die Mitarbeiter dort zu entlasten. Am Samstag sind die Ausdrucke und die Herren am Stehtisch weg. Frau Wieland vom Integration Point hat dagegen schnell eine große Fangemeinde um sich versammelt. Ihre Tips und Infos zu Ausbildung, Sprache und Arbeit kamen super an. Danke, Anke!

Ach ja, wie schön wäre es, hätten alle diese Menschen, die in wenigen Wochen bereits 2 Jahre in Deutschland sind, über Sprachkurse ein Sprachniveau B1 erreicht, so wie die meisten aus den Big Five . Aber die gab es einfach nicht für die „anderen Herkunftsländer“. Und jetzt? Sind sie noch Jahre entfernt von B1? Was sollen sie tun? Unnötig warten? Hoffentlich bekommen sie nach der Anerkennung schnell den Integrationskurs. A1. Die nächsten fangen im Herbst an. Vielleicht.

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